Zwangsstörungen: Pharmakotherapie
Falls die Betroffenen unter sehr schweren Zwängen leiden und/oder neben den Zwängen auch ausgeprägte Depressionen haben und/oder vorrangig Zwangsgedanken bestehen, kann es sinnvoll sein, neben der Verhaltenstherapie auch Medikamente einzusetzen.
Mittel der Wahl sind die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Hierbei kommen insbesondere die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Einsatz. In Deutschland sind u.a. die SSRI Fluoxetin, Fluvoxamin, Escitalopram und Paroxetin zur medikamentösen Behandlung der Zwangsstörung zugelassen.
Dabei ist zu beachten, dass die Dosierung bei schweren Zwangserkrankungen häufig höher liegen muss als in der Depressionsbehandlung, z.B. Fluvoxamin ca. 300mg/d, Fluoxetin ca. 60mg /d (vgl. Tollefson 1994).
Die Wirkung tritt erst nach ca. 6-12 Wochen ein. Dies ist ein wichtiger Fakt, über den die Betroffenen informiert werden müssen, um vorzeitige Therapieabbrüche wegen angenommener „Wirkungslosigkeit“ zu verhindern.
Alternativ kann z.B. auch der nicht-selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Clomipramin eingesetzt werden, beginnend mit ca. 50-75mg/d (abends) und ggf. Steigerung auf ca. 100-150mg/d.
Bei wahnhaft anmutenden überwertigen Ideen kann die Gabe eines Neuroleptikums hilfreich sein.
Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten ist die Durchführung einer regelmäßigen psychotherapeutischen Behandlung wichtig, denn bei einer reinen Medikamententherapie besteht – auch bei zunächst gutem Erfolg – eine Rückfallrate von ca. 70–80%. Durch die begleitende Psychotherapie besteht demgegenüber eine wesentlich höhere Aussicht auf eine dauerhafte Besserung der Zwangssymptomatik.
Falls die Kombination aus Psychotherapie und den oben genannten medikamentösen Behandlungsversuchen nicht ausreichend wirksam ist, werden verschiedene Alternativen wie z.B. die Umstellung auf einen anderen SSRI, die Umstellung auf Venlafaxin, die Add-On-Therapie mit Lithium, Risperidon, Quetiapin oder Buspiron zusätzlich zu einem SSRI sowie die repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) empfohlen. Zu diesen Behandlungsmethoden gibt es bisher jedoch erst wenige aussagekräftige Studien.
Für weitere Informationen zu den oben beschriebenen Medikamenten beachten Sie bitte unbedingt die aktuellen Informationen der Hersteller sowie die Packungsbeilage! Für die Richtigkeit der oben aufgeführten Informationen kann keine Haftung übernommen werden. Bitte beachten Sie auch unsere Hinweise zu medizinischen Informationen!
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Zwangsstörungen (Pharmakotherapie): Literatur
Ordacgi L, Mendlowicz MV, Fontenelle LF (2009). Management of obsessive-compulsive disorder with fluvoxamine extended release. Neuropsychiatr Dis Treat 5: 301-308. Zum Artikel (Volltext) >>
Riddle MA, Reeve EA, Yaryura-Tobias JA, Yang HM, Claghorn JL et al. (2001). Fluvoxamine for children and adolescents with obsessive-compulsive disorder: a randomized, controlled, multicenter trial. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 40(2): 222-229. Abstract >>
Tollefson GD, Rampey AH, Potvin JH, Jenike MA, Rush AJ et al. (1994). A Multicenter Investigation of Fixed-Dose Fluoxetine in the Treatment of Obsessive-compulsive Disorder. Arch Gen Psychiatry 51(7): 559-567. Abstract >>
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